Das Baby-Orakel

02. Juli 2008 · Thema: Biomedizin

Neue Tests sollen die Sache mit dem Kinderkriegen künftig noch berechenbarer machen: Sie verraten, wie  hoch das reproduktive Potenzial der Frau ist.

Es ist toll, was die Medizin heute so alles prophezeien kann: Ob man bald an Herzinfarkt erkranken wird, ob man Alzheimer kriegt, ob Schwangere eine Fehlgeburt haben werden – und jetzt auch, ob Frauen überhaupt noch ihre wichtigste Aufgabe erfüllen, sprich: Kinder kriegen können. Und das sogar auf zweierlei Weise!

Zum einen berichten deutsche Forscher aus Köln und Grevenbroich, dass das sogenannt Antimüllerhormon (AMH) ein sehr zuverlässiger und altersunabhängiger Marker für die Fitness der weiblichen Keimzell-Lager sei. Mit 97-prozentiger Wahrscheinlichkeit kann das Hormon demnach verraten, ob’s die Eierstöcke wohl noch bringen werden oder nicht. Damit dürfen sich jetzt alle Reproduktionsmediziner bestätigt fühlen, die AMH schon in der Praxis anwenden, um die Chancen einer künstlichen Befruchtung (IVF) einzuschätzen. Was mit den drei Frauen ist, bei denen der Test irrtümlich als nicht mehr babytauglich abstempelt? Egal. Alle anderen sparen schließlich ganz viel Geld.

Forscher von der ehrwürdigen Stanford University dagegen haben einen Test entwickelt, der Aufschluss über die generelle Fitness des weiblichen Reproduktionstraktes gibt – und über die Chancen auf einen erfolgreichen Embryotransfer nach IVF. Gemessen wird hier nicht das Anti-Müller-Hormon, sondern das FSH, das Follikel stimulierende Hormon, das aber seinerseits die Funktionstüchtigkeit der Eizell-Vorräte orakeln kann. Dazu kommen dann – im Zuge der laufenden Behandlung – die Zahl der befruchteten Eizellen und deren Durchhaltevermögen bis zur Implantation.

Unterm Strich kann der Test mit 70-prozentiger Genauigkeit vorhersagen, ob es klappt oder nicht. Man fragt sich allerdings, was diese Erkenntnis bringen soll, wenn das betreffende Paar sich ohnehin schon in die Mühlen der Fruchtbarkeitsmedizin begeben hat. Wer unbedingt ein Kind haben will, der wird so rasch nicht aufgeben, und schon gar nicht, wenn eine 30-prozentige Chance darauf besteht, dass der Test lügt.

Und so ist das eben: Wahrscheinlichkeiten sind gefällig. Für jeden gibt es eine, die den eigenen Wunsch am Leben hält – und sei sie noch so klein. Genau deshalb spielen wir ja auch (fast) alle Lotto.

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