Babycheck ohne Risiko?

07. Oktober 2008 · Thema: Biomedizin

Down-Kinder könnten künftig durch einen simplen Bluttest während der Schwangerschaft dingfest gemacht werden. Über die ethischen Folgen haben die Forscher leider noch nicht recht nachgedacht.

Spätgebärende sind eine Gefahr – für sich selbst, ihr Baby, die Gesellschaft. Denn weil sie erst in fortgeschrittenem Alter ein Kind zur Welt bringen, ist das Risiko für Behinderungen und genetische Defekte des Fötus erhöht, es steigt zwischen dem 25. und 35. Lebensjahr von 1:1000 auf etwa 1:300, kurz vor der Menopause beträgt es vermutlich sogar 1:10 . Trotz dieser altbekannten Tatsache nimmt die Zahl der Spätgebärenden in den westlichen Industrienationen zu, und mit ihr die Bemühungen, die Risiken zeitig auszuschalten. Kaum eine schwangere Frau jenseits der 30, die nach auffälligen (und völlig unzuverlässigen) Vortests nicht mit der Option konfrontiert wird, sich eine prüfende Nadel in den wachsenden Bauch stechen zu lassen.

Das Risiko der Untersuchung ist zwar seinerseits nicht gerade gering, etwa eines von 200 Babys geht infolge der Prozedur verloren. Amniozentese und Chorionzottenbiopsie versprechen dafür aber die vermeintliche Gewissheit, ein gesundes Kind im Leib zu tragen. Oder, in einigen wenigen Fällen, die rechtzeitige Kenntnis der Tatsache, dass das Kinde behindert sein wird. Das Risiko eines Aborts wird deshalb heute kaum noch eine Frau davon abhalten, sich der Pränatalsdiagnose per Nadel zu stellen, um das Risiko eines Downbabys auszuschalten. Dennoch arbeiten Forscher seit vielen Jahren an nicht-invasiven Methoden, die das Babyorakel entschärfen, und genau so einen Test stellen Forscher jetzt im Wissenschaftsjournal PNAS vor.

Das neue Verfahren wird möglich, weil während der Entwicklung des Babys einiges an Zellschrott entsteht, der über die Plazenta in den Blutkreislauf der Mutter gerät. Ein Teil des Mülls ist geschreddertes Erbgut, kleine Schnippsel von DNA, die frei im mütterlichen Plasma herumschwimmen. Wie die neue Studie zeigt, spiegeln die Proportionen dieser Schnippsel die tatsächlichen Chromosomenverhältnisse im Fötus wieder. Sprich: Ist das Chromosom 21 dreimal da, schwimmen auch mehr Schnippsel dieses Chromosomens im Plasma der Mutter herum – zählen lassen sich die Stücke durch moderne Sequenzierungsmethoden.

Die Forscher aus Stanford testeten die Methode an 18 schwangeren Frauen, die sämtlich als Risikoschwangere galten, und außerdem an einem Mann, der Kontrolle wegen. Die Trefferquote war 100 Prozent, alle 9 Fälle von Trisomie 21 (Down-Syndrom) und drei weitere Chromosomenfehler wurden eindeutig nachgewiesen. Über die Genauigkeit des Verfahrens sagen diese Ergebnisse zwar noch nicht viel aus – die Frauen ließen sich vor, nicht nach der Blutanalyse mit den klassischen Nadelverfahren untersuchen, die Ergebnisse waren also bekannt. Zudem könnten die Eingriffe zusätzliches Zellmaterial in den Blutkreislauf der Mutter gebracht haben.

Dennoch ist die Richtung klar: Die Pränataldiagnostik wird einfacher werden, und zugleich wird auch die Hemmschwelle sinken, solche Tests zu machen. Über den Umgang mit einem Befund indes sagt die Studie nichts. Was tun, wenn das Ergebnis positiv ist? Der Zwang, ein gesundes Kind zu bekommen, wächst mit den Möglichkeiten. Und für jene, die sich bewusst gegen einen Test – welcher Art auch immer – entscheiden, wird es schwieriger, mit einem dann vielleicht doch behinderten Kind in einer Welt zu leben, in der das doch nun wirklich nicht mehr sein müsste.

Nachtrag: Bemerkenswerterweise kursiert die entsprechende Meldung zum Thema unter der Zeile “Forscher entwickeln risikolosen Frühtest” im Netz. Zum Beispiel hier. Und hier. Die Kollegen von Spiegel Online haben an die durchweg unkritische ddp-Meldung wenigstens noch einen Absatz drangehängt, der darauf hinweist, dass der Test den Eltern nach einem Befund die Entscheidung nicht abnimmt. Ethikdebatte im Briefmarkenformat.

0 Kommentare
Hinterlasse einen Kommentar!

Kommentar:

Diskussion zum Beitrag als RSS 2.0 Feed abonnieren.


8 + = siebzehn