Vom Blatt in den Mund

15. Oktober 2008 · Thema: Ernährung

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hat einen Bericht veröffentlicht, der uns das Salatblatt auf der Zunge anschwellen lässt: Grünzeug ist über die Maßen belastet! Die Frage ist nur: Womit?

Ok, natürlich geht es um Pestizide und andere fiese Rückstände, die wir auf gar keinen Fall essen wollen, im Gegensatz zum billigen Obst und dem noch billigeren Gemüse, welches wir ja doch essen wollen, das allerdings ohne die chemische Keule weder so schnell wachsen, noch so schön aussehen, und ganz sicher eben nicht so billig wäre, wie es eben ist. Was uns fast schon wieder zum Thema Gammelfleisch führt.

Trotzdem würde mich mal interessieren, was an Pestiziden eigentlich so schlimm ist. In dem Bericht und allen, von der Pressemitteilung des Bundesamtes abgeschriebenen Nachrichten, heißt es, “gesundheitliche Beeinträchtigungen” seien im Fall von Kopfsalat, Austernpilzen, Tomaten und Grünkohl bereits nach einer Portion des vermeintlich gesunden Gemüses nicht auszuschließen. Ein Teller Grünkohl also, und schon ist man krank? Wie krank denn? Bekomm ich da Magenkrämpfe? Pickel? Oder gar Krebs? Wachsen meine Kinder nicht mehr? Kriegen sie weiche Knochen?

Die Antwort, spekuliere ich jetzt mal, lautet: Man weiß es nicht. Das schädliche Potenzial der meisten Pestizide ist nur aus Tierversuchen bekannt, am häufigsten lautet der Verdacht “krebserregend”, in anderen Fällen vermuten Forscher Turbulenzen im Hormonhaushalt, und manche Substanzen sind wohl einfach irgendwie giftig. Die zulässigen Höchstmengen fürs Gemüsebeet gehen jedenfalls meist auf die tierexperimentellen Daten zurück – am Menschen ließe sich das Zeug auch schlecht testen.

Doch was nun tun? Der amtlich bestellte Verbraucherschützer rät zum Griff in die Biokiste, was nichts anderes heißt, als dass die Leute sich das Gemüse einfach etwas kosten lassen sollen. Interessanterweise setzt aber auch auf dem Biosektor schon ein atemberaubender Preisverfall ein. Spätestens, wenn Sie Bioweintrauben aus Südamerika für 2.99 Euro das Kilo kaufen können, ist das auch keine sichere Bank mehr. Wer billig will, kriegt eben auch: billig.

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