Macht Dicksein dick?

21. Oktober 2008 · Thema: Ernährung, Leib und Seele

Neues aus der Adipositas-Forschung: Wer zuviel wiegt, ist nicht ganz richtig im Kopf. Sport wäre eine Lösung, aber dazu müsste man sich bewegen. Aber am Ende sind doch wieder die Gene schuld.

Was nicht enden will, geht irgendwie immer weiter. Vor allem, wenn sich das Forscherauge auf die Leibesfülle adipöser Zeitgenossen richtet: Jede neue Studie, und sei sie noch so mager, wirft ein Hölzlein auf den glühenden Traum vom normgerechten Körpermaß. Kurzes Flämmchen, jähes Staunen – und vorerst ward nichts mehr von der Sache vernommen. Aber keine Bange, eine weitere Erkenntnis folgt bestimmt!

In der vergangenen Woche durfte man zum Beispiel allenthalben (unter anderem hier und hier) lesen, dass Dicke einfach zu wenig Freude am Essen haben, und deshalb zu dick sind. Jawohl. Denn: Ihr Gehirn schüttet nach dem Genuss von heißer Schokolade nur spärlich Dopamin aus, und fühlt sich folglich nicht ausreichend belohnt. Ohne Belohnung nun aber kein Glücksgefühl, und ohne Glücksgefühl keine Befriedigung – also muss noch was zu futtern her.

Das dürfte zunächst jene freuen, die sich täglich lustvoll auf das Kalorienbombenarsenal von Fast Food bis Schokocremetörtchen stürzen, und damit richtig glücklich sind. Hey, wir haben voll Bock aufs Essen, also sind wir doch wohl nicht zu dick? Vielleicht! Aussichtsreicher ist allerdings die Freude der Pharmafirmen auf eine neue Marktlücke, denn Medikamente, die das Dopaminpolster aufpumpen, gibt es bereits. Leider sind sie bisher nur auf bestimmte Zielgruppen zugeschnitten – ganz junge Menschen (Methylphenidat gegen ADHS) und eher betagte Mitbürger (Levo-DOPA gegen Parkinson). Wenn das fette Filet des demografischen Körpers nun auch noch zugriffe: Ein Milliardenkick.

Forscher, die besagten Zusammenhang zwischen übermäßiger Nahrungsaufnahme und Dopaminmangel bereits vor sieben Jahren aufdeckten, fanden die Idee mit den Pillen aber schon damals eher schlecht: “Unfortunately, many of the drugs that have been shown to alter dopamine levels are highly addictive. But exercise, which has other obvious benefits in weight control, is another way obese subjects might be able to stimulate their dopamine pleasure and satisfaction circuits”

Ja, der Sport! Auch wenn der omnipräsente Ernährungsexperte Udo Pollmer (neuestes Buch: “Wer gesund isst, stirbt früher” – Oha!) hartnäckig bestreitet, dass Leibesertüchtigung an überflüssigen Pfunden rührt, spricht auch eine weitere neue Studie – an zugegebenermaßen mickrigen sieben Testpersonen – eher dafür: Sportler verbrauchen demnach mehr Energie, und vor allem mehr Fett, als trantütige Stubenhocker. Und zwar, wenn sie sich nicht bewegen. Sprich: der Grundumsatz wird hochgeschraubt (Kommt Ihnen bekannt vor? Mir auch!)

Damit das klappt, ist indes erstmal Training vonnöten, und da stellt sich sofort die Frage, ob sich die Plackerei überhaupt lohnt. Denn wie eine ebenfalls brandaktuelle Studie vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung zeigt, kann eine klitzekleine Mutation doch gar viel mehr bewirken: Einfach das Gen Tbc1d1 ausknipsen, und schon wird die fette Maus ganz rank. Prima. Was zum echten Glücksgefühl jetzt noch fehlt, ist ein Medikament, mit dem sich das entsprechende Gen oder Genprodukt in Menschen irgendwie ausschalten lässt. Mit den anderen Pummelgenen hat das bloß leider nie funktioniert.

Immerhin: Kurzes Flämmchen, jähes Staunen. Weiter geht’s!

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