Einheitsfutter für die Massen

12. November 2008 · Thema: Ernährung

Eine feine Analyse von US-amerikanischem Fast Food bringt ans Licht, was nicht nur Experten längst ahnten: Die großen Burger-Ketten konterkarieren eine nachhaltige Landwirtschaft.

Was futtert das Hühnchen, bevor seine Brust ins Brötchen geklemmt wird? Natürliches Getreide, natürlich! Und das Rind, bis seine Lende des Hühnchens Schicksal teilt? Nun, kommerzielles Schlachtvieh vermutet zwar niemand mehr auf der grünen Wiese, aber irgendwas Grünes wird schon drin sein, im Futter. Denn die Kuh frisst ja naturgemäß Gras.

Tut sie? Echt? Wie Forscher in PNAS berichten, müssen zumindest die Amis von dieser schönen Vorstellung jetzt Abschied nehmen: Mithilfe von sogenannten stabilen Isotopen konnten die Wissenschaftler beweisen, dass Burger und Nuggets jenseits des Teichs fast ausschließlich auf Maisfutter zurückzuführen sind.

Nun kann man fragen, was daran so schlimm sein soll. Wir essen ja auch Cornflakes. In den USA indes ist der Mais längst ein wirtschaftlicher und ökologischer Problemfaktor. Die Maisfarmer würden “auffällig subventioniert”, schreiben Hope Jahren und Rebecca Kraft in der Studie, dazu steht die Massenproduktion von Mais wegen ihrer Folgen für die Umwelt massiv in der Kritik.

Die Fast Food-Ketten schmücken sich ungern mit so fragwürdigem Lorbeer – doch um des billigen Fleisches Willen beziehen sie ihre Rohware trotzdem von Herstellern, die nichts, und nichts als Mais ans Getier verfüttern. Gerade Mais aber bekommt nicht nur der Umwelt, sondern auch dem empfindlichen Magen von Wiederkäuern ziemlich schlecht.

Der amerikanische Journalist Michael Pollan hat das in seinem Buch “The Omnivore’s Dilemma” (Das Dilemma des Allesfressers – gemeint ist der Mensch) eindrücklich beschrieben: Der Mais verätzt die Tiere quasi von innen, weil der Magen völlig übersäuert. Schwere Entzündungen und Schmerzen sind die Folge fürs Vieh, was wiederum zum freizügigen Einsatz von Antibiotika führt, und dieser Missbrauch hat den Amerikanern schon so manche Verseuchung mit resistenten Bakterien beschert. Lecker!

Hühner vertragen die Maissilage deutlich besser, immerhin, allerdings ändert das nichts an den ökologischen Folgen des monokulturellen Maisanbaus. Das gelbe Getreide laugt den Boden extrem aus und führt zu einem wahnwitzigen Einsatz von Düngemitteln, welche ins Meer gespült bereits einen Teil des Golfs von Mexiko erstickt haben.

Wirklich schlimm ist, dass viele Menschen in Amerika (und auch in Deutschland) längst ihren kompletten Kalorienbedarf über Fast Food sichern – und dem ganzen Prozess damit rasanten Vorschub leisten.

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