Viren in Schale

04. April 2006 · Thema: Ernährung, Leib und Seele, Schweine im Weltall

Ganz klar. Wir haben die Gefahr durch die Vogelgrippe unterschätzt. Wir können einen noch so großen Bogen um Hühnerfleisch, Eier und tote Möwen machen, und verkennen sie das Risiko, das uns mit dem täglichen Dutzend Austern in den Schlund springt.

Zum Glück hat Focus online aufgepasst, weist uns auf diese (alltägliche) Bedrohung hin und berichtet: “Die drei Anstalten” – gemeint sind das Bundesamt für Ernährung, das FLI und das Bundesinstitut für Risikobewertung - “räumen ein, dass das Virus möglicherweise durch infektiösen Vogelkot in Süß- und Salzwasser auf die darin lebenden Tiere übertragen werden kann.”

Tatsächlich ist kürzlich eine Risikobewertung zur Ausbreitung von H5N1 über das Wasser erschienen.

Das Problem der Wissenschaftler: Rein theoretisch kann man gar nichts ausschließen. Auch nicht, dass Vogelgrippeviren über den Kot infizierter Tiere ins Meer gelangen, dort trotz hohem Salzgehalt überleben und in extremster Verdünnung ihren Weg in die Austern finden. Einmal angekommen, müssen die Erreger nur noch ausharren und sich vor der Muschelernte ein wenig anreichern – bevor sie durch das Wechselbad der Magensäure unseren Körper erstürmen.

Nun ist zwar bekannt, dass für die Infektion des Menschen extrem hohe Dosen von H5N1 nötig sind, die bei extrem engem Kontakt mit vor Viren strotzenden, kranken Hühnern vielleicht auftreten. Aber in Austern? Wie gesagt, die Theorie. Wer deshalb zu 100 Prozent (!) sicher sein will, dass nicht ein einziges Virus über seine Zunge rollt, sollte “bis zu abschließenden Untersuchung auch auf den Verzehr roher Muscheln und Fischwaren verzichten”, heißt es in der Risikobewertung.

Sollte. Muss aber nicht. Ganz klar.

2 Kommentare
  1. #1 • gero hat am 04.04.2006 gesagt:
     

    Na hoppla, das fehlte noch, das ich ein so entferntes Risiko eintausche gegen die Gewissheit des Genusses!

  2. #2 • Bertram Blauel hat am 05.04.2006 gesagt:
     

    Na zum Glück ist momentan keine Muschelsaison, denn ich freue mich schon wieder auf ein Jacobsmuschel – Carpaccio mit Limonensauerrahm und Kartoffel – Schnittlauchpüree. Und zum Apero 4 Stk. Belon Nr1

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