Die Müslifalle

21. Juli 2006 · Thema: Allgemein, Ernährung

Es hat mich mal sehr beeindruckt, dass meine Freunde sich schon zum Frühstück so fürchterlich gesund ernähren. Sie essen fast ausnahmslos Müsli – zumindest sagen sie immer, dass sie Müsli essen. Ich hatte dann mehrmals die Gelegenheit, eine morgendliche Verfütterung der ach-so-gesunden Cerealien zu beobachten. Was soll ich sagen? Die Definition von Müsli ist überraschend flexibel.

Dieser Flexibilität ist es auch zu verdanken, dass die BBC nun von einer nahezu schockierenden Untersuchung berichten muss, und zwar das: Die guten Frühstücksflockis enthalten ja viel zu viel Zucker! Und Fett! Und, verdammtnochmal, auch noch gehärtetes Fett! Die erschütternden Beweise dafür hat der britische Klon der Stiftung Warentest, Which?, von 275 verschiedenen Pappschachteln gesammelt und dokumentiert.

In der langen Tabelle desillusionierender Nährwertfakten gibt es kaum ein Getreideerzeugnis, das als durchweg grün (=gut) einzustufen wäre. Entweder kriegen Birchers zivilisierte Nachkommen rot für zuviel Zucker. Rot für zuviel Fett. Rot für zuviel gehärtetes Fett. Oder gar rot für zuviel Salz. Mittelböse Pops und Flakes sehen immerhin noch reihenweise gelb. Insgesamt erinnert das dann stark an die Partie Niederlande gegen Portugal.

So. Und nun die Frage: Wer hat denn bitte noch geglaubt, dass ein Joghurtmüsli irgendwas mit Joghurt zu tun hat? Dass ein Schokoladenknusperbrockenfrühstück fettarm und natürlicherweise toxisch süß sei? Dass Kinder ihre Chocopops wegen der sechs draufgeschmissenen Vitamine so lieben? Schon die klassischen Cornflakes waren eine glatte Gesundheitslüge, denn außer Zucker und Stärke steckt da nicht viel drin. Nicht einmal eine erwähnenswerte Menge an Ballaststoffen.

Der Witz an der Sache ist: Die Hersteller all dieser wertvollen Morgenmahlzeiten machen gar keinen Hehl aus dem wahren Charakter ihrer Produkte. Null. Auf jeder Packung steht haarklein drauf, was drin ist. Von den Zutaten bis zu den Nährstoffen. In Großbritannien wie in Deutschland. Es bedarf also keiner Fachkenntnis oder Verbraucherschutzanalyse um festzustellen, dass das Schokokrokantknuspermüsli zu einem Fünftel aus Fett besteht und selbst die vor Ballaststoffen strotzenden Branflakes noch mit einem Viertel Kristallzucker aufgepeppt sind.

Wäre ein Müsli heute noch das, was es früher einmal war, nur wenige Tapfere würden die faden Flocken allmorgendlich zwischen ihren Kiefern bearbeiten. Die Realität ist leider eine andere. Die verarbeitende Lebensmittelindustrie hat das Problem auf die bewährte Weise gelöst. Wer drauf reinfällt, ist selbst schuld.

38 Kommentare
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  1. #1 • Falk hat am 21.07.2006 gesagt:
     

    Nanana. Will man mir hier die lange ersehnte Schützenhilfe gegen “die Müslis” liefern?
    Tendenziell spricht doch wenig dagegen, einfach kein Fertigmüsli zu essen. Sondern Haferflocken (ungesüßt, nicht mit Colageschmack), Nüsse, Obststücke und Rosinen morgens kurz selbst zusammenzuwerfen. Dauert vielleicht 5 Minuten in der Vorbereitung – schmeckt dafür aber tatsächlich frisch. Und nein, mach ich natürlich selber auch nicht – ich frühstücke nicht….

  2. #2 • ULf Räckers hat am 21.07.2006 gesagt:
     

    Sehr geehrte Autorin, mit Ihrem recht pauschal gehaltenen Artikel verunsichern Sie mich als Müsliesser extrem. Ich dachte bisher immer, dass ich mir mit meinem Saitenbacher Bio Müsli wirklich etwas gutes tun würde.

    Mit freundlichen Grüßen
    Ulf Räckers

  3. #3 • Ludwig hat am 21.07.2006 gesagt:
     

    Man kann sich sein Müsli auch selber machen (original Bircher- Style http://de.wikipedia.org/wiki/Birchermüesli) oder im Naturkostladen (Drogeriemarkt) kaufen. Das schmeckt dann ohnehin besser, vor allem mit frischem Obst darin.

  4. #4 • Anke hat am 21.07.2006 gesagt:
     

    @falk: Na Du erst! Das ist ja gaaanz schlecht! Frühstück ist wichtig, sagte Oma immer. Und außerdem macht es gute Laune. Mahlzeit!

  5. #5 • zinkant hat am 21.07.2006 gesagt:
     

    lieber herr räckers, verunsicherung ist natürlich nicht meine absicht, im gegenteil. wenn sie wissen wollen, was sie sich mit ihrem müsli antun, schauen sie doch einfach mal auf die packung. zucker drin? pflanzenöl? gehärtetete fette? nein? dann ist das doch ein müsli, wie es im bilderbuch steht. weiteressen! :-)

  6. #6 • zinkant hat am 21.07.2006 gesagt:
     

    @falk: gar nicht frühstücken ist natürlich die besonders gesunde alternative. und so kalorienarm! ansonsten: eben. wer selber mischt, weiß auch, was drin ist.

  7. #7 • Björn Kathöfer hat am 21.07.2006 gesagt:
     

    Als in Frankreich lebender Deutscher finde ich die “vernunftgesteuerte Gesundheitsdebatte” über Kalorien, Nährwerte,Vitamine etc…amüsant.

    Denn es ist genau DAS, was uns Deutschen fehlt beim Essen :
    Vergnügen, Spass und Leichtigkeit.

    Da können wir wirklich von unseren Nachbarn lernen :
    rein “ernährungswissentschlaftlich” gesehen essen + trinken die Franzosen so ziemlich alles, was uns die Bio-Taliban mit religiösem Eifer verbieten wollen : Viel Fett, Viel Fleisch, Unmengen an Alkohol und Kaffee und ausserdem rauchen sie zigmal mehr als wir ( und sind dann noch so frei, nur ab und zu mal ein bisschen Sport zu betreiben…)

    Resultat : sie haben wesentlich weniger Probleme mit Überbergewicht und leben im Schnitt sie ein Jahr länger als wir !
    Vielleicht sollte man sich einfach Zeit fürs Essen nehmen und es WIRKLICH geniessen..unser schlechtes Gewissen bei nicht “korrekter” Ernährung ist den Franzosen völlig fremd.

    Für sie ist Essen eben wirklich wichtig aber nicht ernst.

    Gruss aus Paris und einen guten Appetit !

  8. #8 • zinkant hat am 21.07.2006 gesagt:
     

    lieber herr käthofer, die franzosen haben inszwischen leider dieselben ernährungsprobleme wie wir – eben weil sie sich nicht mehr auf ihren genießerischen instinkt verlassen, sondern den gleichen prozessierten kram kaufen und essen, wie amerikaner, briten und viele deutsche. das zum einen. zum anderen geht es mir auch gar nicht um zucker und fett, sondern um die tatsache, dass diese billigen geschmacks- und zuckerbomben aus der maisundgetreideindustrie immer noch unter dem vorwand gegessen werden, das sei irgendwie gesund. ist es aber nicht. wer es aber in dem bewußtsein isst, dass es etwas besonders feines, wenn auch medizinisch nicht empfehlenswertes sei: nur zu! :-)

  9. #9 • Ralf hat am 21.07.2006 gesagt:
     

    Fakt ist, die meisten Menschen wollen belogen werden und werden in ihrer Ignoranz von der Zuckerindustrie, von Fertigprodukteherstellern und teuren Bioanbietern ausgenommen wie Weihnachtsgänse. Ich kaufe ein KIlo Müsli im Discounter für 1,15, aber natürlich kein Schokomüsli, sondern Tropicmüsli, wo Fett sich auf die Körner und ein paar Kokosflocken beschränkt. Leider enthalten die Papaya-, Ananas- und Bananenstücke sowie die Cornflakes Zucker, aber das kann ich grad so verkraften – habe sowieso BMI 17.

  10. #10 • Finca hat am 21.07.2006 gesagt:
     

    Mir gefällt die Diskussion ganz gut. Da ich an Zöliakie leide (Unverträglichkeit gegen alles was aus Getreide ist) habe ich die beste Ausrede, morgens feinen crossen Speck, Spiegeleier und Bratkartoffeln zu futtern. Dazu gehören für mich nicht wegen der Gesundheit, sondern weil es mir schmeckt, leckere Salate, Mozarella mit Tomaten und Basilikum, Spargel mit Schinken und Käse überbacken und allerlei Sünden mehr. Nicht zu vergessen, das lecker Schlückchen Sekt, um den Kreislauf in Schwung zu bringen.
    Leider gibt es das nur am Wochenende, unter der Woche gibt es Obst und Käsewürfel.
    Insgesamt bin ich aber fast für meine Krankheit dankbar, denn ich muss mich bewusst ernähren und kann mich fast nur aus Grundzutaten bedienen. Das macht kreativ und meiner Umwelt kommt es auch zugute, die dürfen nämlich mitessen.

    Guten Appetit

  11. #11 • Stefan hat am 21.07.2006 gesagt:
     

    Immerhin bietet die Tatsache, dass auf den Packungen alles aufgeführt ist, die Möglichkeit, sich die zuckerfreien Müslis auszusuchen: entweder schmecken sie dann etwas nuss-lastig, was durch Joghurt abgemildert werden kann, oder man greift zu den Früchtemüslis, die meist “nur” den eigenen Fruchtzucker und teilweise noch Honig enthalten.
    Ansonsten: selbst mischen!

  12. #12 • Morido hat am 21.07.2006 gesagt:
     

    Man nehme:

    reine Haferflocken
    Milch
    eine Sorte Obst
    Honig
    +ev. purer Kakao oder weißer Joghurt

    Vorteile:

    - gesund
    - sehr billig
    - länger sättigend
    - geringer Energieaufwand bei der Herstellung
    - weniger Stress, weil einem die ganze Werbung für synthetische Zeug mit Namen sonstwo vorbeigehen kann.

    Eigener Status: Früher alle Kellogs-Produkte und Fakes durchprobiert; heute ohne Reue bei der Alternative und klugscheißerisch dafür eintretend

    MfG

  13. #14 • lucas hat am 21.07.2006 gesagt:
     

    Was, bitteschön, ist daran neu? Vielleicht dass die BBC jetzt grade mal ihre Briten wachrütteln will, mehr aber auch nicht.
    Es gibt immer Menschen, die nicht darauf achten, was sie zu sich nehmen, aus welchen Gründen auch immer.
    Hier ist die Lebensmittelindustrie in der Pflicht, keine gesundsheitsschädlichen Produkte auf den Markt zu bringen, oder aufklärende Gesundheitskampagnen zu fahren. McDonalds, Kellogs u.a (Zufall, dass es amerikanische Firmen sind?) sollten ausserdem gezwungen werden, auf die gesundheitsschädigende Wirkung der Fett/Zucker-Kombination hinzuweisen, ähnlich wie beim Tabak.
    Als Beispiel dass verantwortlicher Umgang mit den Nahrungsmitteln auch mit wirtschaftlichem Erfolg geht seien hier nur Hipp und Nestle genannt.
    Trotzdem ist der “mündige Bürger” selbst verantwortlich. Es ist seine Entscheidung, ob er all die Zuckerpampe essen will oder nicht.

  14. #15 • Ludwig hat am 21.07.2006 gesagt:
     

    @ lucas: Nestlé als Beispiel für verantwortlichen Umgang mit Lebensmitteln? Ich empfehle hierzu den aktuellen Film “we feed the world”. Gute Unterhaltung.

  15. #16 • Anna hat am 22.07.2006 gesagt:
     

    Gut wäre auch, wenn nicht nur bei den Vitaminen, sondern auch mal bei Zucker und Fett der Prozentsatz der empfohlenen Tageszufuhr angegeben würde…

  16. #17 • Björn kathöfer hat am 22.07.2006 gesagt:
     

    Antwort an Zikant :

    ja, auch die Franzosen kennen das Junkfood-phänomen, und auch sie wie normale Sterbliche haben mit Übergewicht zu kämpfen …aber längst nicht so wie das bei uns der Fall ist.

    Da mögen Statistiker froh hurra schreien ‘” jetzt hat’s die Nachbarn auch erwischt… sie sind so dick wie wir ”

    Nur ist das Bild in den Strassen ein völlig anderes.

    Wirklich Übergewichtete sind (noch?) die Ausnahme.

    Egal ob man unsere und französische Fussgängerzonen betrachtet
    oder die einheimischen Touristen von Nordsee/Ostsee und den der Atlantikküste/Cote d’Azur vergleicht !!

    Schweres Übergewicht wird fast noch bestaunt.

  17. #18 • Christoph Leusch hat am 22.07.2006 gesagt:
     

    Liebe Frau Zinkant, liebe Koblogger,

    Das Vereinigte Königreich, nächster erreichbarer Ausläufer der angelsächsischen Vorstellung von Ernährung, beschreitet auch im Bereich der Müsliologie eigene Wege. Jeder Englandurlauber kann bei Tescos oder Sainsbury die Warenwunderwelt britischer cereals in Augenschein nehmen. Eine schier unendliche Vielfalt des Ewiggleichen, in Pappkartons, von der Singlegröße, bis zum super saver, vorportioniert oder als Streugut, erwartet ihn.

    Sehr recht, es ist alles vorschriftsmäßig deklariert und
    sogar “Bircher Musli” findet sich. Selbstverständlich überwiegen in den Regalen die Produkte der größten Junkfoodhersteller der Welt.

    Ernährungsphysiologisch kann der Mitteleuropäer wohl mit 40%, aber auch mit 50- 55%, gar 60 % Zuckeranteil in der Nahrung, gesund und alt werden.
    -Zähne werden faul, äh, kariös, weil sträflich wenig und dann mit zu sehr abrasiven Zahnreinigern geputzt wird.
    -Die mittleren Angaben entsprechen den DGE-Empfehlungen.

    Das Fett, selbst das gehärtete, wäre ebenfalls noch erträglich, wenn nicht nach, oder mit dem königlichen Frühstück, weitere Mahlzeiten wie am Hofe des Kaisers
    folgen würden. Die gehärteten Fette verdanken sich übrigens dem fatalen Hang nach Knusprigkeit, Crossheit und Schmackigkeit.

    Letzlich sind die Verpackungen des Nichts, der Ausdruck erlernter hilfloser Einfallslosigkeit auf Seiten der Konsumenten. Ein Fall für die behaviouristische oder kognitive Psychologie, denn der EU-Mensch lernt zunehmend, nur noch Pappschachteln aufzureißen.
    Dabei übrigens, durch allfällige Hinweispfeile, snip it, Strichellinien und Ausklappzipfel und -Zotten sanft geführt.

    Die Gemeinde der Kommentatoren hat ja schon etliches Wissens- und Beachtenswerte zum wahren Müsligenuß beigesteuert. Es sei noch einmal an zwei
    Grundprinzipien des Müsli erinnert. Ausreichend Weichen und Wallen (umrühren, engl. to undulate). Nur dann entfaltet sich das Mysterium des guten Müsli. Wahre Geschmacksexplosionen, weit ab jedes faden Tütengeschmacks, erzielt der Müslikenner mit
    wenig Kokos,Zimt, Vanille, Kakao, Kaffeepulver, schwarzem Afghanen fein, geschnittenen Trockenfrüchten, edlen Beeren aus dem TK-fach, oder klassisch mit feinem Apfel all inklusiv, sprich mit Schale. – Wer schon Zahnschäden hat, oder aber in den Olymp der Müsliologie vordringen will, der reibe was das Zeug hält, Obst, Gemüse und sonstig ihm Verdauliches, eigenhändig hinein. Das allein verbraucht schon Kalorien und trainiert die Muskeln.

    Letzlich sei noch auf den notwendigen Ballast für Colon,Rektum und Drumherum verwiesen. Allerdings
    verlangt das eine gewisse Beachtung der Körperfunktionen und, klassisch aufklärerisch eine Klassifikation nach Lichtenbergschem Vorbild.
    Wer wenig kann, dem sei Kleie und ungeschältes Korn
    empfohlen, Schalen vom Apfel wurden bereits erwähnt.

    Grüße

    C.Leusch

  18. #19 • moino hat am 23.07.2006 gesagt:
     

    Sind ‘cereals’ = Müsli?

    Klar bestehen Smacks & Co vor allem aus Zucker und Industrie-Hilfsstoffen, aber das klassische Müsli, jedenfalls was ich mir darunter vorstelle, basiert doch auf einfachen Haferflocken. Cornflakes & Co würde ich nicht Müsli nennen. Ist vielleicht eine etwas naive Übersetzung der Grund dieses Artikels?

  19. #20 • zinkant hat am 23.07.2006 gesagt:
     

    nein. kein übersetzungsproblem. :-)

  20. #21 • F. Bremer hat am 23.07.2006 gesagt:
     

    Es ist wahrscheinlich das Spiel Niederlande gegen Portugal, das sie zur Auflockerung des Artikels anführen wollten.
    MfG
    F. Bremer

  21. #22 • zinkant hat am 23.07.2006 gesagt:
     

    @ F.Bremer: aber sicherlich! :-)

  22. #23 • Ilke Witthohn hat am 23.07.2006 gesagt:
     

    Was, bitte, hält einen einigermaßen vernunftbegabten Menschen davon ab, so eine hochglanzbedruckte Cerealienschachtel im Supermarkt einfach mal von der Rückseite zu betrachten und sich die
    Zutatenzusammensetzung kritisch durchzulesen?
    Dass Zucker und Fett im Übermaß und unkritsch genossen zu den bekannten gesundheitlich relevanten Folgen führen können, lernt mittlerweile jedes Kind in der Grundschule.
    Was hindert uns also daran, dem Gelernten einfach mal häufiger zu folgen und nicht alles als “gesund” auszulöffeln, was angeblich wohlmeinende Nahrungsmittelkonzerne uns einbrocken? Ist es Bequemlichkeit, die uns so kritiklos macht?

    Bewußt “Nein” zu sagen kostet immer etwas mehr Kraft. Es fordert uns zur kritischen Auseinandersetzung mit unserem Lebensalltag heraus. Und es führt uns zu oftmals interessanten Alternativen.

    Ein Schlager aus der Generation meiner Eltern lautet: “Beiß nicht gleich in jeden Apfel”. Und manchmal hat Mutti doch recht!

    Bei dieser ganzen Ernährungsdiskussion dürfen wir eins nicht vergessen: Richtig gut essen bedeutet nicht nur ausgewogene Nahrungsmittelaufnahme gemäß Ernährungslehre, sondern auch mal die eine oder andere genußvolle kleine “Sünde”.

    Genießen ist wichtig! Und Essen darf nicht zur fixen Idee werden, denn dann verliert man die Freude daran. Auch ich brauche manchmal ein Schälchen Schokomüsli für die Seele, aber ich gönne es mir ganz bewußt nicht jeden Tag!

    Lieber Autor, ich hoffe, irgendwann mal einen Artikel über die von mir so vielgehaßten “natürlich gesüßten” (=mit Traubenzucker statt mit Kristallzucker versetzten) Fruchtzwerge zu lesen. Denn diese Dinger sind genauso eine gesundheitliche Gemeinheit wie die gesüßten Kinderdauernuckeltees aus den 70ern.

    Liebe Grüße aus der fruchtzwergefreien und kritisch eingekauften Müslizone!

    Ilke Witthohn

  23. #24 • moino hat am 23.07.2006 gesagt:
     

    @zinkant: Naja, ich meine eine Unterscheidung wie z.B.

    * http://en.wikipedia.org/wiki/Breakfast_cereal
    * http://en.wikipedia.org/wiki/Muesli

    Vielleicht ist ‘muesli’ im anglo-amerikanischen Sprach- und Kulturraum nicht
    so verbreitet wie hier, anscheinend wir aber schon differenziert.

    Viele Grüße!

  24. #25 • Julia hat am 24.07.2006 gesagt:
     

    Ich kriege gerade große Lust auf Joghurt-Müsli!!

  25. #26 • Oliver Hollmann hat am 24.07.2006 gesagt:
     

    an Björn kathöfer :

    was sollen bitte diese daemlichen Pauschal Urteile ueber “die (boesen und IMMER ernsten) Deutschen”?

    Und in einem bin ich mir zu 100% sicher auch wenn sie das Gegenteil behaupten wollen – ein Franzose wird von zuviel Fett und Zucker genauso Dick wie ein Deutscher, schliesslich handelt es sich bei beiden um Menschen oder wollen sie das bezweifeln?

  26. #27 • Andreea hat am 24.07.2006 gesagt:
     

    Müsli spaltet seit jeher die Lager: die ungewaschenen Ökos und die markenbewussten Yuppies. Das ist Gott sei Dank nicht mehr ganz so schlimm seit Bioland und Demeter genauso Marken geworden sind.
    Getreide ist einmal Ballaststoff und einmal wichtiger Eiweiss, Vitamine der B-Gruppe-Lieferant und auch sonst wichtig für Vegetarier z.B. – kann aber nur aufgenommen werden im Körper wenn es nicht nur durchrutscht (pardon), sondern aufgeschlossen ist. Das erreicht man durch kochen und die Engländer nennen das Porridge. Hört sich besser an als Haferschleim.
    Getreide ist ein traditionelles Lebensmittel im Tibet, wo es gekocht wird. Auch in Afrika… Europa hat im Mittelalter auch nichts anderes gegessen.
    Vernünftig zubereitet, mit Bananen, Rosinen, Ahornsirup ist das ein Genuss. Als überzeugte Öko (und markenbewusste Yuppie-Tussi :-D ) werde ich doch nicht auf Genuss verzichten! Gourmet geht auch gesund.

  27. #29 • Christoph Leusch hat am 24.07.2006 gesagt:
     

    Nach dem Fußballkrieg, der Müslikrieg?

    Kleiner Aufheller von einem britischen Exportschlager:

    “Little Billy was the fattest kid in his class
    Always the last in line
    All the other little kids would laugh at him
    Said he’d die before his time

    Ha ha ha ha
    Ha ha ha ha
    Little Billy didn’t mind

    Most of the kids smoked cigarettes
    Just to prove that they were cool
    The teacher didn’t know about the children’s games
    And Billy always followed the rules

    Ha ha ha ha
    Ha ha ha ha
    Little Billy didn’t mind

    Billy was big on the outside
    But there’s an even bigger man inside
    Ten million cigarettes burning every day
    And Billy’s still doing fine

    Now Billy and his classmates are middle-aged
    With children of their own
    Their smoking games are reality now
    And cancer’s seed is sown

    Ha ha ha ha
    Ha ha ha ha
    Little Billy’s didn’t mind

    Most of them smoke maybe forty a day
    A habit Billy doesn’t share
    One by one they’re passing away
    Leaving orphans to Billy’s care

    Ha ha ha ha
    Ha ha ha ha
    Ha ha ha ha
    Little Billy doesn’t mind

    Ha ha ha ha
    Ha ha ha ha
    Little Billy’s doing fine”

    (The Who)

    Also Gelassenheit an der Front der Streiter um gesunde Ernährung, Zähne nachher putzen, Müsli gut weichen lassen und frisches Futter hineinreiben, gute Musik beim Frühstück hören, nicht gleich danach schon wieder an die omnivoren Wünsche denken, sich
    sonstige warme Gedanken machen und viel Plappern.
    Das hält vom “Gau” beim Kauen und Verdauen ab.

    Vielen Dank an Andreea (Kommentar von Andreea | 24.07.2006 | 13:04), die auf jene nützlich pragmatische, ebenfalls sehr britische Methode des Aufkochens verwiesen hat. – Eine wahrhaft alte, mittlerweile in Haushalten häufig unbekannte Technik.

    Ein kleiner Hinweis für Leute mit Allergien gegen Nüsse. Die an wenig Zucker in der Pfanne kandiert und manchesmal ist das Oberflächen-bzw. Schalenproblem gelöst. – Beim ersten Test natürlich vorsichtig sein, von wegen anaphylaktischer Schockreaktion. Es funktioniert, wie alles im Leben, nicht bei jedem Zeitgenossen.

    Grüße
    C.Leusch

  28. #30 • löser hat am 24.07.2006 gesagt:
     

    Neulich gab es mit der Jugend wieder einmal ein Hin und Her zum Thema Müsli. Der Witz ist folgender: Ich mache mir seit 20 Jahren Müsli, bin nach wie vor Begeistert – nur- richtig formuliert mache ich mir FRISCHKORNBREI. Fakt ist , das alle Fertigmischungen, auch diese aus dem Bioladen, irreführend als Gesundkost deklariert werden. Also ran an die Getreidemühlen, schrotet jeden Tag 3 Elllöffel Getreide, lasst es über Nacht einweichen und schneidet euer liebstes Obst darüber. Mit Joghurt oder Sahne ein Genuss!!

  29. #31 • Kathrin Zeiss hat am 24.07.2006 gesagt:
     

    @ Björn Kathöfer
    Angesichts der Massen französischer Studenten, die zum Teil in den Mensen ausschließlich “Steak frites” oder Pizza bekommen einerseits und andererseits der französischen Manie, alles mögliche mit “zéro pourcent” Fett anzubieten (Milchprodukte vor allem, sogar in Roquefort-Käse wird fettreduziert), erscheint mir die Idealisierung französischer Ernährungsgewohnheiten nicht ganz angebracht. Und: wie viele der ganz schlanken Französinnen ernähren sich von drei Salatblättern am Mittag und ganz vielen Zigaretten? Mit wieviel Genuß ist das verbunden?

  30. #32 • Martin K hat am 24.07.2006 gesagt:
     

    Hab mal schnell meine Mueslipackung hervorgezogen (hier im dicken Amerika!) und lese wie folgt:

    Name: Optimum Power Breakfast (Na also, faengt doch schon gut an …!)

    Ingredients: Organic whole wheat bran, organic whole wheat meal, organic evaporated cane juice, organic soy flour, organic puffed Kamut, organic flaxseeds, organic barley malt extract, organic soy fiber, organic oat bran, organic freeze-dried blueberries, sea salt, organic cinnamon, calcium carbonate, folic acid, cyanocobalamin (vitamin B-12), tocopherols (natural vitamin E) added to enhance freshness.

    Nutrition facts (fuer jede 55 g Portion):
    Calories 190, including calories from fat 20;
    Total fat 2.5g (4% of daily value), including Saturated fat 0g, Trans Fats 0g, Omega-3 500 mg;
    Cholesterol 0%;
    Sodium 200 mg (daily value 8%);
    Total carbohydrate 40g (daily value 13%), including dietary fiber 10g (daily value 40%) and sugars 16g;
    Protein 8g;
    Vitamin C daily value 2%, Calcium daily value 25%, Iron daily value 15%, Folic Acid daily value 100%, Vitamin B-12 daily value 100%.

    Ich denke: ziemlich gut, oder? Und auch noch ziemlich billig (4$ fuer 400g).

    Dazu dann O-Saft (sorry, I hate milk) und eine Banane.

  31. #33 • Thomas hat am 25.07.2006 gesagt:
     

    Hallo und erst mal Danke für Ihren sinnvollen Beitrag.

    Aber vielleicht brauchen wir um solcherlei Erkenntnis zu gewinnen gar nicht nach England.

    TEST hat 2004 die Ceralien unter die Lupe genommen: 90 % der Testprodukte wurden als NICHT geeignet eingestuft.

    Tests anzuschauen unter:

    http://www.testberichte.de/preisvergleich/level4_test_stiftung_warentest__15794.html

    Außerdem hörte ich, es gebe auch noch Vollkornbrot und andere gesunde Sachen, die man sich morgens antun kann, wie wir das seit Jahren machen. Dafür ist auch immer Zeit, weil wir das so WOLLEN.

    Guten Appetit liebe “Kellogs-Freunde”.

  32. #34 • Hans K. Richter hat am 26.07.2006 gesagt:
     

    Sehr guter Beitrag, kommt aber viele Jahre zu spät und die bei uns (TEST) verfügbaren Informationen kommen mangels intensiver Vermarktung nicht an.
    Wer es denn bisher noch nicht bemerkt hat, daß sie/er von der Lebensmittelindustrie nach Strich und Faden belogen und durch völlig idiotische Gesundheitsversprechen betrogen werden soll, der/dem ist nicht mehr zu helfen. Analog zum Kommentar von Finca vom 21.07.06 habe auch ich mich seit zwei Jahren an die mir auferlegten medizinisch (Colitis) bedingten Einschränkungen zu halten und lese seitdem alles Kleingedruckte auf den Lebensmittelverpackungen. Was mir da jedesmal wieder auffällt, spottet jeglicher Beschreibung und führt dazu, daß ich versuche, unveränderte Naturprodukte zu finden. Ich weigere mich ganz schlicht und einfach, wenn es irgendwie geht, die deutsche chemische Industrie auch auf diesem Weg noch zu unterstützen. Und, liebe Feinde und Freunde des Industriemüslis, die Verantwortung liegt nun einmal nur bei uns selbst.

  33. #35 • Marcel KOCKEN hat am 26.07.2006 gesagt:
     

    Mein Vater hat niemals Müssli (oder wie es auch heisst) gegessen. Er starb in seinem 89. Lebensjahr. Meine Schwester wusste überhaupt nicht was Müslli war. Sie starb in ihrem 93. Lebensjahr. Mein Neffe hat immer korrekt und gesund gegessen. Er starb kurz nach seinem 53. Geburtstag. Moral : isst was lecker ist und was dir schmeckt !
    Mahlzeit, oder im flämischen “Smakelijk” !
    Marcel Kocken, Mechelen (Belgien)

  34. #36 • Christoph Leusch hat am 26.07.2006 gesagt:
     

    ad Kommentar von Hans K. Richter | 26.07.2006 | 11:17 ,ad Kommentar von Marcel KOCKEN | 26.07.2006 | 17:05

    Sehr geehrter Herr Richter,
    Leider werden Sie, so Sie sich im gewöhnlichen Lebensmittelhandel und ohne Bioprodukte ernähren, bei allen Grundnahrungsmitteln an der Chemieindustrie nicht vorbeikommen. – Derzeit in aller Munde, die Mehrfachbelastung des Frischobstes mit Pflanzenschutzmitteln, um die Einzelgrenzwerte nicht zu überschreiten. Über die Fleischproduktion will ich hier garnicht erst schreiben.
    Diese Diskussion sollte jedoch getrennt werden von
    Überlegungen, wie die Ernährung mit den drei Grundstoffen Eiweiß,Fett, Zucker, aufgebaut sein sollte. -Wahrscheinlich ist die erträgliche Bandbreite
    grösser, als bisher gedacht.

    Lieber M.Kocken,
    Die von Ihnen beschriebenen persönlich bekannten Beispiele belegen weder Gesundheit, noch Schädlichkeit bestimmter Ernährungsweisen. Das Argument wird auch in meiner Familie vorgebracht, allerdings von zählebigen Rauchern, die auf ein oder zwei noch lebenskräftigere Vorfahren verweisen.

    Schon in den 80er Jahren versuchten die Epidemiologen Doll und Peto, die erstaunlichen Unterschiede bei bestimmten Karzinomarten auf unterschiedliche Ernährungsgewohnheiten zurückzuführen. Was das untere Ende unseres Verdauungsapparates angeht, gelten diese Ergebnisse wohl heute noch.
    Trotzdem, weiter gute Mahlzeit, auch ohne Müsli oder
    Cerealien. Das ist sowieso alles nur Statistik.

    MfG
    C.Leusch

  35. #37 • Renate Pasternak hat am 31.07.2006 gesagt:
     

    Müsli und Co

    Es ist schon länger be- und durch eigene Logik erkannt:
    Fertigmüslis sind unbegründet zu teuer, Beimischungen mehr ungesund.
    Schon immer , während des Studiums , besonders in schweren Zeiten und unter Zeitdruck:
    - reine Haferflocken (auch Bioware)
    - Frischobst – z.B. Banane schnell hereingeschnippelt
    -Naturjoughurt- auch rasch selber gefertigt oder Milch
    - Honig
    - evtl. Sonenblumenkerne, Weizenkleie, Nüsse u.s.w.

    stimmt positiv, schafft Energie, hält wg. der guten Kohlehydraten
    lange an, erfrischt und bilden die sogenannten “Glückshormone”.

    Haferflocken besitzen zudem nicht wenig Aminosäuren, d.h. der Körper kann diese nicht selber herstellen und müssen zugeführt werden müssen, für die Gesamtenergie , Stoffwechsel, Muskeln und Co, Hirntätigkeit u.a.
    Alles in allem: Ein rundum Energie-Gesundpaket, rasch, preiswert,
    möchte nicht darauf verzichten.
    Dieses mit denen zu vergleichen, die familiär gute Gene haben , die Müslis nie zu sich nahmen, mit den Müsliessern, die unglücklicherweise, gewiss aus anderen Zusammenhängen vorzeitig verstarben, ist wenig hilfreich und verantwortungsunwürdig.
    Wünsche guten Morgenappetit

  36. #38 • Petra Lappeneit hat am 01.08.2006 gesagt:
     

    Hallo ,
    wie wärs mit Frischkornbrei nach Dr.Bruker.
    Sehr interressant, mal nachlesen.
    Ohne getrocknete Früchte und ohne Sirup o.ä.
    Auch lecker und gaaaaaaaanz Gesund.
    Nur mal so als Anregung.
    Dieser Dr. Bruker hat sein Leben lang gegen industriell gefertigte Nahrung gekämpft und hat viele logische Schlussfolgerungen gezogen. (Sich auch viel Ärger eingehandelt)
    Viele Grüsse

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