Ein Schokotraum

13. September 2006 · Thema: Ernährung, Schweine im Weltall

Neulich in meiner Mailbox:

Kakao ist nicht nur lecker, sondern auch gesund. Gesundheitsfördernde und entzündungshemmende Eigenschaften haben Wissenschaftler der Universität Münster nun in Kakao entdeckt. Dafür verantwortlich ist die Stoffklasse der sogenannten Phenylpropenoyl-Aminosäuren.

Die neue Stoffklasse konnte erstmalig 2003 im Rahmen eines Forschungsprojektes der Deutschen Forschungsanstalt für Lebensmittelchemie (DFA) in Garching charakterisiert werden. Gefördert aus Mitteln der industriellen Gemeinschaftsforschung (BMWi/AiF) über den Forschungskreis der Ernährungsindustrie e.V. (FEI) entschlüsselten Professor Peter Schieberle und Professor Thomas Hofmann, welche Verbindungen in Kakao für Aroma und Geschmack verantwortlich sind und identifizierten dabei unter anderen die neue Stoffklasse der Phenylpropenoyl-Aminosäuren. Dadurch kann bei der Weiterverarbeitung von Rohkakao eine konstante Produktqualität sichergestellt werden. Auf der Basis dieser Untersuchungen gelang es nun Professor Thomas Hofmann und Professor Andreas Hensel, Universität Münster, aufzuzeigen, dass Vertreter dieser neuen Stoffklasse weitere physiologische Wirkungen besitzen. So verhindern diese Verbindungen auch, dass sich der bei der Entstehung von Magengeschwüren beteiligte Keim Helicobacter pylori im Magen festsetzen kann.

Besondere Beachtung möge dem letzten Satz gelten. Die Schololadenindustrie wird das ausschlachten, unter der Mail stand denn auch schon ein link zu “infozentrum-schoko.de”.

Fragt sich nur, warum Wissenschaftlier immer wieder versuchen, auf diese höchst fragwürdige Weise ihre Forschung unters Volk zu bringen. Wir kennen das doch. Polyphenole im Wein, Xanthohumol in Bier etc. pp…. Am Ende heißt es dann, saufen und Schokolade essen sei gesund.

Dabei kann es allerhöchstens sein, eines Tages, ganzganz vielleicht dass die neue Stoffklasse Modell für mögliche Medikamente steht. Und die schmecken dann wie andere Pillen auch, gar nicht nach Schoko.

Trotzdem. Wird ausgeschlachtet. Garantiert.

3 Kommentare
  1. #1 • Brigitte Nussbaum hat am 14.09.2006 gesagt:
     

    Ich weiß leider nicht, welche Mail Sie im Posteingang hatten. Die Pressemitteilung der Universität Münster, die offenbar von jemandem aufgegriffen und weiterversandt worden ist, war nicht mit einem solchen – werbenden – Link versehen.

    Brigitte Nussbaum

    Pressestelle Universität Münster

  2. #2 • zinkant hat am 14.09.2006 gesagt:
     

    liebe frau nussbaum, die gebloggte pressemitteilung kam von “Forschungskreis der Ernährungsindustrie e.V. (FEI)”. ich habe mir nun die pressemitteilung der uni angesehen – und tatsächlich ist da kein link zum infozentrum-schoko.de. stattdessen gibt es einen link zu provendis.info, einer hochschulmarketing-agentur, die den neuen stoff, von der uni als cocoheal bezeichnet, “im auftrag der universität münster vermarktet”. und zwar als anti-aging-mittelchen. das ist natürlich etwas vollkommen anderes.

  3. #3 • Brigitte Nussbaum hat am 14.09.2006 gesagt:
     

    Ist es, da das nur eine der möglichen Anwendungen ist. Provendis ist im übrigen keine Hochschulmarketing-Agentur, sondern eine Patentvermarktungsgesellschaft – ebenfalls etwas völlig anderes.

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