Zimtsternpanik!

27. Oktober 2006 · Thema: Ernährung, Medien

Sie haben sicher davon gehört, die Meldung schwurbelt schon seit einer guten Woche durch die Gazetten: Das Verbraucherministerium von Nordrhein-Westfalen warnt vor Zimtsternen. Beziehungsweise vor dem übermäßigen Verzehr derselben, weil in Zimtsternen besonders viel Zimt drin ist – der Name! Und warum eine Warnung vor Zimt samt Sternen? Weil das Zeug eine Substanz names Cumarin enthält, die in Überdosis Krebs macht, steht zumindestens in mancher Zeitung. Oder aber Leberentzündungen verursacht.

Das Ministerium in NRW allerdings hat andere Gründe für den Zimtalarm, nur welche genau, das weiß man dort offenbar nicht so genau oder will es für sich behalten. In der entsprechenden Mitteilung jedenfalls laviert man sich vom Vorsorgeversprechen zu der Versicherung, “gesundheitsschädliche Lebensmittel sofort aus dem Handel” zu nehmen. Die Behörde passt auf, dass ihren Bürgern nichts geschieht, soviel ist klar, und es kann ja auch gar nichts passieren, denn wie das Ministerium feststellt:

“…sind jedoch in der medizinischen Literatur keine Fälle dokumentiert, die auf einen Zusammenhang zwischen der Aufnahme von Zimt oder zimthaltigen Lebensmitteln und entsprechenden Erkrankungen der Leber schließen lassen.”

Fein. Einen Blick kann man trotzdem wagen, und sich die Listen herunterladen, in denen kleinteilig aufgezählt ist, welche Zimtsternmarke wie stark mit dem Zimtgift verseucht ist und wieviel Zimtsterne der Zimtliebhaber von einer nicht genannten Zimtsternsorte essen darf, ohne sich dem gar nicht vorhandenen Risiko einer Leberentzündung oder eines Lebertumors durch Cumarin auszusetzen. Für ein schmächtiges Männchen von 70 Kilo sind von einer verbreiteten Marke etwa 200 Gramm erlaubt, also etwas mehr als eine Packung. Jeden Tag. Und zwar 365 Tage im Jahr, laut Theorie, was angesichts der Frühverkaufsstrategie auf dem Weihnachtsgebäckmarkt vielleicht schon möglich wäre, aber in der Praxis wohl irgendwann Ekel erregt. Weshalb auch das Ministerium hinzufügt:

“Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit stellt fest, dass ein erwachsener Mensch die akzeptable tägliche Aufnahmemenge von Cumarin bei üblichen Verzehrgewohnheiten nicht überschreitet.”

Keine Panik also, aber doch irgendwie, hm – und warum denn nun eigentlich? Remmels Märchenstunde gibt Aufschluss, auch wenn man sich zuerst als das Opfer eines Aprilscherzes wähnt. Doch wir haben Oktober, es ist Zimtsternzeit und die Grünen haben richtig Druck gemacht im Landtag, weil der Verbraucherminister sich ihrer Ansicht nicht um seine Zimtsterngefährdeten Verbraucher schert. Tut er aber doch, wie gesehen, und deswegen müssen wir uns in der dämmernden Vorweihnachtszeit den Spass an Keksen verderben lassen. Grundlos.

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