Fernsehseuchen

11. Mai 2006 · Thema: Leib und Seele, Medien

Die Vogelgrippe selbst gibt nicht mehr viel her für Schlagzeilen, im Moment. Und zum Glück, möchte man sagen.

Die Welt hat aber trotzdem einen neuen Infektionsherd entdeckt: Das US-Fernsehen. Dort lief jetzt ein Katastrophenfilm à la Outbreak – nur dass der Erreger diesmal kein Ebola-ähnliches Virus ist, sondern eben das gefüchtete Pandemievirus, dass aus H5N1 entstehen könnte.

Die Welt findet den Film irgendwie gut. Apokalyptischer Horror eben, der lässt angeblich niemanden kalt. Eines muss man den Amis in der Tat lassen: die Apokalypse beherrschen sie einfach besser als die Deutschen. Die haben das Thema nämlich schon längst im Fernsehen untergebracht, und zwar nicht nur in dem Dokudrama “Das globale Virus”, das auf – der Name sagt es – höchst dramatische und leider auch etwas konstruiert wirkende Weise beschreibt, wie ein Patient 0 das böse Virus nach Deutschland bringen könnte.

Nein. Der Knaller war die Sachsenklinik (“In aller Freundschaft”), die bereits in Folge 300 den “Ausnahmezustand” beschrieb. Klein-Jonas kriegt darin nämlich einen Papagei geschenkt, plötzlich hat er Grippesymptome. Die Ärzte durchschauen das bösartige Spiel des Virus, das natürlich vom Papagei auf den Jungen gesprungen ist. Und dann wird auf einmal einer der behandelnden Ärzte (ganz zufällig Jonas’ Vater) krank….

Das ist mal realititätsnah. Es hat zwar bisher erst einen einzigen Fall von H5N1 bei einem Papageien in britischer Quarantäne gegeben, und dieser Papagei steckte keinen Menschen an. Auch die Übertragung von Mensch zu Mensch ist bisher nicht nachgewiesen.

Aber was macht das schon. Der Mensch gruselt sich eben gern, und dazu muss er nicht einmal auf amerikanische Produktionen warten. Provinzhorror aus der MDR-Küche tut’s auch.

Ah, und übrigens: Die Behauptung von Focus Online, dass es sich bei Austern ab sofort um H5N1-Risikoware handelt gehe ich nach den ersten sechs Austern meines Lebens nun persönlich auf den Grund. Dauert noch ein paar Tage, bis ich mehr weiß, aber ehrlich gesagt: Lieber ein paar Jahre kein Hühnerfleisch, wenn ich dafür ab und zu mal Austern bekomme. Grandios.

0 Kommentare
Hinterlasse einen Kommentar!

Kommentar:

Diskussion zum Beitrag als RSS 2.0 Feed abonnieren.


− drei = 0