Pharmaliebe, Ärztemägen

28. Juli 2006 · Thema: Leib und Seele, Schweine im Weltall

Amerikanische Pharmaunternehmen wissen, wie sie die Ärzte auf ihre Seite bringen. Keine Reisen, keine Geschenke, keine Freikarten mehr – das ist in den USA seit 2002 verboten. Aber Liebe geht ja durch den Magen, und deshalb spendieren die Firmen den Medizinern jetzt was ordentliches zu Essen. Und zwar jeden Tag.

Wie die New York Times berichtet, (Registrierung erforderlich) beherrschen die Pharmahersteller diese neue Art der Kundenbetreuung inzwischen perfekt. Chinafood, Sushi, Pizza oder was die Ärzte sonst so wollen, es wird geliefert – und die Rechnung geht an Merck, Cephalon oder einen anderen industriellen Pillendreher. Das wirkt. Es sei eine “unglaublich effektive” Methode, sagt auch eine Ex-Pharma-PR-Managerin in dem Artikel.

Es gibt sogar schon Forscher, die sich mit der geschäftstüchtigen Ärztefütterung befassen. John G. Scott aus New Jersey weiß deshalb zwar, dass Ärzte sich von den kostenlosen Mahlzeiten nicht beeinflusst fühlen. Er weiß aber auch, dass diese Marketingmasche, wenn nicht die Ärzte, dann doch wenigstens die Verschreibungen manipuliert.

Sowas würde es hier nie geben? Bisher ist noch alles über den großen Teich geschwappt – es lohnt sich, prophylaktisch drüber nachzudenken.

2 Kommentare
  1. #1 • gero hat am 28.07.2006 gesagt:
     

    Was kriegen Homöopathen? Gulaschsuppe mit D60-Fleischanteil?

  2. #2 • Christoph Leusch hat am 10.08.2006 gesagt:
     

    Vor Jahren gab es einmal für Klinikärzte, vorzugsweise in der Neurologie, zu Weihnachten in der N3- Klinikpackung eines bekannten Antiepileptikums, eine essbare Überraschung. Es fand sich ein hygienisch abgepackter, mittelgroßer Dresdner Christstollen. Sogar das Haltbarkeitsdatum stimmte. Dank der Verpackung, behielt das Innere des Stollens bis Ostern jene leicht schliffig- feuchte Konsistenz, auf die wahre Stollenliebhaber besonderen Wert legen.

    Ob diese Kalorienbomben den Therapieentscheidungen bei den Anfallskranken aufhalfen, wurde nicht empirisch untersucht.

    Allerdings konnte ein mitleidiger Hundeblick des gestressten Assistenten, auch für die hungerleidende
    Familie, samt Kind und Kegel, aus des Pharmareferenten grosser Sporttasche süße N3 Packungen hervorzaubern.

    Das große Schmatzen zu Hause muss auf Umwegen für den Umsatz des Unternehmens gesorgt haben.

    Mit lieben Grüßen

    Christoph Leusch

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