Noch eine Burger-Blase

29. Januar 2010 · Thema: Ernährung, Medien

Forscher wollen herausgefunden haben, dass Kalorienangaben auf McDonalds-Produkten einen positiven Einfluss auf das Ernährungsverhalten von Familien haben. Leider ist diese Vermeintlichkeit nicht neu. Geschweige denn hilfreich. Außer für McDonalds vielleicht.

Und die Medien nicht zu vergessen, die die Ergebnisse solcher Pseudostudien gern als Nachricht verbraten, vor allem, wenn das alles so toll einleuchtend klingt.

Zur Studie: Knapp 100 Eltern, die mit ihren Vorschulkindern in einer Klinik waren und sich dort zum Konsum von Fastfood-Produkten bekannten, bekamen grüppchenweise Menüs angeboten. Die eine Hälfte der Teilnehmer durfte sich nach Laune  was aussuchen. Die andere Hälfte durfte sich seine Laune erstmal durch Kalorienangaben verderben lassen, bevor sie sich was aussuchte. In beiden Fällen waren die Entscheidungen nicht verblindet, das heißt, die Ärzte wussten, wer die Kalorieninfo gehabt hatte, und wer nicht.

Nun stellen Sie sich mal vor, Sie gehen mit ihrem Pöks zum Arzt und der testet Ihre Qualität als Kinderernährer, indem er Ihnen Fast Food anbietet. Wenn Sie ablehnen, fallen Sie aus der Studie heraus. Wenn Sie akzeptieren, und keine weitere Information erhalten, nehmen Sie das, was ihre Kleinen gern essen. Wenn Sie aber nach Kalorientabelle aussuchen müssen, tun sie unter ärztlicher Aufsicht was? Sie versuchen, eine total verantwortungsvolle Entscheidung zu treffen, und nehmen etwas, was den Energiebedarf ihres Nachwuchses nicht gleich für mehrere Tage auslastet.

Wie kann man so eine Veröffentlichung überhaupt ernst nehmen? Zumal McDonalds und die meisten Fast-Food-Ketten doch längst die Kalorienangaben auf Tabletts und Produktwickel aufdrucken, und ihnen dieses Zugeständnis nach bisherigem Kenntnisstand nurmehr ein unverdientes Gesundheitsimage beschert hat, anstatt die Kalorienaufnahme zu drücken.

Es hindert McDonalds ja auch nicht daran, Aktionen wie die Hüttengaudi zu starten, mit Käseecken und einem Röstihamburger, die zusammen verzehrt (laut Menürechner) bereits schlappe 75 Gramm Fett und knapp 1200 Kalorien  in jene tägliche “Balance” einspeisen, mit der man so schön werben kann. Aber natürlich: Wer sich mit der Hüttengaudi für einen Tag zufrieden gibt, kann theoretisch sogar abnehmen!

Theoretisch. In der Praxis stimmen die Kalorienangaben auf Fast-Food-Produkten aber gar nicht immer, wie eine andere Forschergruppe jüngst feststellen musste. Und so eine Abweichung um plus 20 Prozent – die macht den gesundheitsbewussten Burgerfan auf Dauer nicht nur fett, sondern auch unglücklich, denn immerhin WAR er ja bereit, sich zu informieren und auf seine Ernährung zu achten. Gemein, oder?

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