Rauchen ist noch ungesünder

01. Februar 2010 · Thema: Leib und Seele, Schweine im Weltall

Der Nichtraucherschutz soll die Qualmerei bekämpfen. Tatsächlich beschert er den Rauchern weitere Risiken. Aber wehe dem, der sich deshalb vom Tabak abwendet!

Seit vier Wochen sind sie mehr denn je unter sich, eingepfercht in kleinen Kaschemmen, isoliert vom disziplinierten Rest der Gesellschaft: die deutschen Raucher. Die nun wirksame Stufe 2 des Nichtraucherschutzgesetzes soll die gelbe Sucht noch gesellschaftsunfähiger machen, und – der Name sagt es – die Nichtraucher noch effektiver vor den skrupellosen Qualmern behüten. Denn, man kann diese Zahl nicht oft genug zitieren: Jedes Jahr sterben mutmaßlich 3000 (virtuelle) Unschuldige an den Folgen des Passivrauchs. Das hatte sich das Deutsche Krebsforschungszentrum DKFZ einst so zurecht gerechnet, und damit, nach vielen Jahren vergeblicher Ermahnungen, einen so fragwürdigen wie emotional wirksamen Unterbau für den Kampf gegen das Rauchen geschaffen.

Die eigentliche Zielgruppe der klinisch Nikotinsüchtigen hat davon leider wenig profitiert, denn Zigaretten gibt es nach wie vor an jeder Straßenecke und zu jeder Tages- und Nachtzeit zu kaufen, und auch die steigenden Preise haben noch keinen Abhängigen davor bewahrt, seiner Droge zu frönen.

Und das ist nicht alles: Wie eine aktuelle Studie nun zeigt, führt der Nichtraucherschutz zu einer weiteren Gefährdung jener eigentlich durchs Rauchen gefährdeten (= den Rauchern), die sich jetzt in winzigen Erwachsenenkneipen zusammenrotten müssen. Neben der aktiven Inhalation kommt es nämlich auch für Raucher zu einer erheblichen Mehrbelastung durch Passivrauch, und zwar vor allem in engen Räumlichkeiten. Forscher von Nationalen Krebsforschungsinstitut in Italien konnten das an Zeitungsverkäufern zeigen, die in ihren kleinen Häuschen täglich 14 und mehr Zigaretten rauchten. Durch die Zweitinhalation des ausgepusteten Direktrauchs kamen täglich nochmals fast drei (!) Zigaretten dazu.

Finden Sie jetzt nicht so überraschend? Ich auch nicht – obwohl die zusätzlich konsumierte Zahl an Zigaretten ein Plus von 20 Prozent bedeutet, und das ist doch ganz schön viel. Was mich jedoch weit mehr beeindruckt ist, wie eine recht einfache Untersuchung den fatalen Fehlkurs in der deutschen Antiraucher-Politik belegen kann. Je weiter man die Raucher ausgrenzt, desto weniger hilft man ihnen, von ihrer Sucht loszukommen – und desto größeren Gesundheitsgefahren setzt man sie aus.

Frau Pötschke-Langer vom DKFZ mag das als legitime Rosskur für uneinsichtige Egoisten betrachten. Die Autorin des besagten DKFZ-Papiers zum Passivrauch stellt als Autorin des aktuellen Tabakatlas allerdings auch fest, dass noch immer etwa ein Drittel der erwachsenen Deutschen raucht. Selbst wenn nur ein Teil dieser 20 Millionen Raucher im medizinischen Sinne süchtig ist, handelt es sich um eine Massenisolation Kranker, deren gesundheitliches Dilemma durch den Nichtraucherschutz nur vergrößert wird, weil sie auf immer engerem Raum unter Ihresgleichen rauchen. Das steht einer auf Prävention bedachten Gesundheitspolitik natürlich bestens zu Gesicht.

Vielleicht fürchtet man bloß die Kosten, die der betreute Entzug mit sich brächte – oder die Folgen des Exrauchens! Wie nämlich ebenfalls eine neue Studie zeigt, haben Menschen, die das Rauchen erfolgreich aufgegeben haben, ein erhöhtes Diabetesrisiko.

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