Noch mehr gefräßige Würmer

05. Oktober 2007 · Thema: Leib und Seele, Schweine im Weltall

In Gladiator, dem zweifellos tollsten Historienepos der letzten Kinojahre, haben sich die meisten Filmgucker gar nicht so sehr vor dem vielen Blut geekelt, das fließt ja ohnehin in Strömen. Nee, die ekligste Szene ist die, in der sich in der Wunde von Russel “Maximus” Crowe kleine, glibschige, weiße Maden winden. Die Viecher sollen den eitrigen Schnitt in der Schulter reinigen. Dass derlei hilft, ist angeblich erwiesen. Die archaische Methode wird sogar heute noch praktiziert.

Nicht minder widerlich ist nun die Idee, Asthma, Morbus Crohn und sogar multiple Sklerose unter saugkräftiger Beteiligung parasitärer Würmchen zu lindern. Ist schon ein paar Wochen her, dass der Guardian darüber berichtete, aber wir wollen das niemandem vorenthalten:

Protagonist des therapeutischen Nematodenangriffs ist ein Hakenwurm, der sich am Ende seiner sieben Lebensphasen im Darm seines Gastgebers einnistet und aus den Zotten des Verdauungsorgans Blut zuppelt. Das bringt den Wirt nicht unbedingt um (anders als in diesem geschmacklosen Beispiel), die winzigen Gäste verursachen bei schwerem Befall allerdings eine herben Blutverlust und Leibschmerzen. Verbreitet ist der rünstige Geselle vor allem in Afrikas Feuchtgebieten.

Der positive Haken am Wurm ist nun, dass seine Opfer zwar schlapp und lustlos durchs Leben schlurfen, dafür aber so gut wie nie an Heuschnupfen, Asthma oder anderen Fehlleistungen des Immunsystems leiden – und diesen Effekt nutzen die Forscher von der Universität von Nottingham für ihre Patienten. In einer ersten klinischen Studie zur Sicherheit von geringen Wurmdosen wollten die Probanden ihre neuen Bewohner gar nicht wieder hergeben – die Tabletten, die den Hakenwürmern zum Ende der Studie den Garaus gemacht hätten, lehnten sie ab. Weil die Heuschnupfensymptome sich so sehr gebessert hatten. Die Ärzte glauben, dass das Immunsystem so sehr mit den Würmern beschäftigt ist, dass es für Überreaktionen in der Nasenschleimhaut keine Kapazitäten mehr hat.

Ob die Methode sich in kontrollierten Tests als tatsächlich wirksam erweist, steht indes nicht fest – und, bei aller Liebe zu natürlichen Heilmethoden: Ist es nicht auch fraglich, ob man es den Patienten überhaupt wünschen sollte? Wurgs.

0 Kommentare
Hinterlasse einen Kommentar!

Kommentar:

Diskussion zum Beitrag als RSS 2.0 Feed abonnieren.


− 6 = zwei