Ein Mutantenvirus geht um!

05. Oktober 2007 · Thema: Leib und Seele, Medien

Heut Mittag meldete die Nachrichtenagentur Reuters fürchterliches: “Vogelgrippevirus kann nach Mutation nun eher Menschen infizieren”, so stand es über der Schreckensbotschaft im Ticker. n-tv hat die Meldung mittlerweile mit der etwas knackigeren Zeile “Vogelgrippe ist mutiert” auf seiner Website veröffentlicht. Ohne Quellenangabe, versteht sich, aber mit der Unterzeile: “Gefahr für den Menschen wächst”.

Ist es also soweit? Müssen wir nun alle sterben? Laut Meldung haben Forscher eine Veränderung im Erbgut des Vogelgrippevirus H5N1 gefunden, die dem Erreger jetzt den Befall von Menschen erleichtert. Der wissenschaftlichen Substanz dieser Behauptung auf den Grund zu gehen ist indes nicht ganz leicht. Reuters und damit auch n-tv zitieren leider das falsche Journal. Aber mit etwas Geduld findet man heraus, dass Herr Kawaoka (der Studienleiter) seine Arbeit in PLoS Pathogens veröffentlicht hat, einer Open-Access-Zeitschrift, die online für jedermann zugänglich ist. Auch für Nachrichtenredakteure.

Der interessierte Journalist könnte der Originalarbeit unter anderem entnehmen, dass die Forscher Viren aus zwei menschlichen Proben miteinander verglichen haben. Probe eins stammt aus dem unteren Atemtrakt des Patienten, Probe zwei aus dem oberen Atemtrakt, und zwar desselben Patienten.

Zwei Möglichkeiten: Der Patient ist von zwei verschiedenen Virentypen gleichzeitig befallen worden. Oder: Das Virus ist erst in der Lunge des Opfers mutiert – was eher einleuchtet, und was man getrost als epidemiologische Sackgasse bezeichnen darf. Denn weitergegeben hat besagter Vietnamese das Virus nicht mehr. Effiziente Mensch-zu-Mensch-Übertragungen sind noch immer nicht bekannt.

Weshalb der Senior Author in einer Pressemitteilung zur Studie wohl auch sagt: “This change is needed, but not sufficient. There are other viral factors needed to cause a viral pandemic”. Alles klar.

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