Blinddarm als Backup

08. Oktober 2007 · Thema: Leib und Seele

Ist Ihrer schon draußen? Schade. Zwar kann der kleine Gewebeschnösel das Leben kosten, wenn er sich entzündet. Im Allgemeinen erfüllt er aber wohl eine wichtige Aufgabe.

Eines ist klar: Zurecht kommen wir auch ohne dieses mickrige Anhängsel unseres Darms. Denn bemerkbar macht sich der Appendix nur, wenn er sich in lebensbedrohlicher Weise entzündet. Dann muss er schleunigst raus und wenn die Operation glatt verläuft, geht das Leben auch ohne Wurmfortsatz prima weiter. Einigermaßen prima zumindest.
Für irgendwas muss die kleine Ausstülpung ja schon gut sein, dachten sich nämlich Ärzte von der Duke University Medical School, und das Ergebnis ihrer Sinnsuche haben die Wissenschaftler jetzt im Journal of Theoretical Biology veröffentlicht: Der Blinddarm, meinen die Forscher, ist sozusagen das Backupsystem unserer Darmflora.

Eben diese besteht nämlich zu einem überwiegenden Teil aus Fremdorganismen, sprich Bakterien. Bei gesunden Menschen sind diese Mikroorganismen fleißige Helfer im täglichen Ringen mit Nahrungsbrei und Krankheitserregern. Nehmen die bösen Bakterien aber doch einmal Überhand, werden die guten verdrängt und müssen nach der Genesung des Patienten ersetzt werden.

Hier kommt nach Ansicht der Duke-Forscher der Blinddarm ins Spiel: die sackartige Ausstülpung beherbergt eine Kolonie der Originalbewohner unseres Darms, die sich nach überstandener Erkrankung wieder auf der Darmwand ausbreiten kann.

Was natürlich nicht viel bringt, wenn statt der guten die bösen Mikroben im Winzling einfallen. Eine Entzündung bedeutet trotz allem das Ende des Backups. Trotzdem ist der Gedanke ganz schön, dass selbst ein kleiner Blinddarm einen (vorübergehenden) Sinn hat.

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