Kuhkörperwarmer Fitdrink

09. Oktober 2007 · Thema: Ernährung, Schweine im Weltall

Das neue Fancy Health Tonic der Amis ist flockig und riecht nach Stall: Die Rohmilch macht’s! Was aber macht sie genau – fit oder krank?
Mikroben gehören in einen gesunden Leib hinein, diese Botschaft hat der Konsument wohl verstanden. Aber müssen wir deshalb alle Rohmilch trinken? Die Welt säuft doch schon fleißig Lactobazillus-Molken, Fermentierte Asia-Drinks und Bio-Limonaden. Ein bisschen Abwechslung schadet allerdings nicht, und deshalb gibt es in den USA jetzt einen neuen Trend: Wie die Times am Sonntag berichtete, ist das fancy health tonic der Westküste mal ein richtiges Naturprodukt, und das schwappt nun auch nach Europa: Rohmilch.

Kuhkörperwarm vom Euter in den Schlund bugsiert soll der geschmacksintensive Trunk die Gesundheit stärker und umfassender fördern, als das homogenisierte und pasteurisierte Pendant aus dem Kühlregal. Es gibt jenseits des großen Teichs sogar schon eine Initiative namens Real Milk, die den Jüngern des neuen Fitness-Elexiers Bezugsquellen (sogar in Deutschland) aufzählt, denn produziert wird Rohmilch nur von ECHTEN Kühen. (Wow! Ich dachte, Milch würde IMMER von echten Kühen …)

Warum nun aber rohe Milch? Dem Rohmilchclub zufolge ist verarbeitete Milch wegen der Verarbeitung nahezu giftig. Keine Vitamine mehr drin, kaum wertvolles Butterfett, nachweislich führe das alles zu Herzkrankheiten, Allergien, Zahnfäule, kindlichen Wachstumsstörungen, Arthritis, Knochenschwund, Koliken …. was vergessen? Ah, klar: Krebs. Noch dazu töte die Pasteurisierung (Nahrungsmittel werden dafür kurzzeitig auf 60 bis 90 Grad Celsius erhitzt) die guten Bakterien, fördere aber die schlechten, krankheitserregenden Mikroben.

Ein Wunder, dass wir alle noch leben. Ein Flöckchen Wahrheit ist allerdings dran, an der rohen Trinkkost: Forscher haben tatsächlich gezeigt, dass Kinder, die regelmäßig Rohmilch (oder verpackte Vorzugsmilch) trinken, weniger häufig an Allergien erkranken.

Es stellt sich andererseits die Frage, ob man dafür das Risiko einer Kontamination in Kauf nehmen will. Die Bundesanstalt für Milchforschung warnte jedenfalls erst vor ein paar Jahren vor bakteriellen Verunreinigungen in Rohmilchproben. Insbesondere Listerien bereiteten den Kontrolleuren Sorge: Die Erreger können Fieber, Übelkeit und Erbrechen, in seltenen Fällen sogar Hirnhautentzündungen hervorrufen.

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