Mehr Neid als Gier

26. November 2007 · Thema: Leib und Seele, Schweine im Weltall

Das hatten wir uns doch gedacht: Wer mehr verdient als die Kollegen, fühlt sich besser und schreitet besonders motiviert zur Arbeit. Behaupten Bonner Forscher. Aber ist der Mensch wirklich so gestrickt?

Angemesser Lohn ist eine wichtige Sache im Arbeitsleben. Und wenn zwei Menschen die gleiche Arbeit tun oder vergleichbare Leistungen erbringen, sollten sie auch dasselbe Geld dafür bekommen – das heißt dann Gerechtigkeit. Und wäre die Welt nun auf diese schön einfache Art gerecht, müssten wir alle zufrieden sein, oder?

Eben nicht! Das Wissenschaftsmagazin Science hat am Freitag eine Studie veröffentlicht, die unseren selbstsüchtigen Charakter entlarvt. Gerechtigkeit? Pah, da pfeifen wir doch alle drauf. Denn richtig gut fühlen wir uns nur, wenn wir besser dran sind als andere. Kleine Könige, denen Onkel Arbeitgeber heimlich das dickere Taschengeld zusteckt. Und weil wir um diese Zuneigung wissen und sie auf keinen Fall aufs Spiel setzen wollen, strengen wir uns auch mehr an als die anderen. Money is Motivation, und nun ist das auch noch wissenschaftlich belegt!

Eine Forschergruppe aus Bonn hat nämlich nachgeguckt. Das kann man heute, mit modernen, Bildgebenden Verfahren. Man lässt jemanden etwas tun, und misst per Magnetresonanz, welche Hirnbereiche besonders gut durchblutet werden – sprich: reagieren. In diesem Fall mussten 19 Arbeitspaare immer wieder die jeweils gleichen Aufgaben erledigen. Nach getaner Arbeit bekamen sie Feedback – und später auch Geld, einige der Teilnehmer zumindest. Und diese Belohnung löste in Bereichen des Gehirns eine Reaktion aus, die der Motivation zugeordnet werden. Wer mehr Geld bekam als der Spielpartner, und dies wusste, war in der nächsten Runde besser motiviert als sein Gegenüber.

Stellt sich allerdings die Frage, wo hier die Kausalbeziehung vergraben ist. Bedeutet ein Plus an Geld wirklich ein Plus an Motivation? Oder ist es vielleicht eher der Benachteiligte, der reagiert – und das Minus an Lohn wird zum Minus in der Leistungsbereitschaft? Die Forscher resümieren in ihrer Arbeit, dass eine im sozialen Vergleich geringe Entlohnung zu einer schwachen Durchblutung im untersuchten Hirnareal führt. Also müsste man von einer Demotivierung nach Gehaltsvergleich sprechen, und nicht umgekehrt.

Dochdoch, das ist ein Unterschied! Nehmen wir mal eine Gruppe von 20 Leuten. 15 davon bekommen knapp 3000 brutto, vier etwas mehr und einer kriegt 5000 Euro brutto. Die Aufgaben sind etwas verschieden, aber im Endeffekt arbeiten alle sehr fleißig und in denselben Bereichen. Und dann werden die Gehälter auf einmal publik. Wenn der Gehaltsunterschied die Motivation erhöht, würden die fünf Besserverdiener jetzt ein paar Kohlen drauflegen, die anderen änderten ihr Arbeitsverhalten nicht. Aber dass es so käme – das glaubt doch kein Schwein, mit Verlaub.

Nein. 19 Leute werden den Kiefer herunterklappen und sich fragen: Wofür hab ich mir hier eigentlich die ganze Zeit beide Beine ausgerissen? Dafür, dass ich schlechter bezahlt werde, als der Heini im Büro nebenan, der keinen Deut besser ist als ich?! Ah, und kommt mir nicht mit Berufserfahrung oder Alter… Auch die drei Leut, die besser verdienen als die Mehrheit, werden so reagieren. Weil auch sie auf den Kerl gucken, der mehr kriegt. Die anderen sind doch egal.

Der Neid ist stärker als die Gier. Eigentlich nicht überraschend, denn die Bonner Forscher haben ihren Versuch ausschließlich mit Männern gemacht. Was passiert wohl, wenn Frauen ins Spiel kommen? Wenn Frauen gar die sind, die besser verdienen? Was sich dann im Motivationszentrum des männlichen Hirns abspielt, DAS wäre nun wirklich mal interessant.

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