Ich brat mir einen Klon

17. Januar 2008 · Thema: Ernährung, Medien, Schweine im Weltall

Ist Ihnen mal aufgefallen, dass sich die Steaks auf unseren Tellern immer ähnlicher werden? Jaja, da bahnt sich was an. Angeblich bastelt unsere Regierung schon an der Zulassung von geklontem Fleisch.

Das behauptet jedenfalls Spiegel Online. Anlass für die investigative Recherche: Die US-amerikanische Gesundheitsbehörde FDA ist zum wiederholten Mal zu der Erkenntnis gekommen, dass Fleisch von geklonten Tieren kein Risiko für unser aller Leib und Leben bedeutet. Klonkuhmilch auch nicht. Damit ist die amerikanische Fleisch- und Milchindustrie nach knapp sieben Jahren vom freiwilligen Verzicht auf jedweden Klonhandel entbunden. Und weil die Klonware so sicher ist, muss da, wo Klon drin ist, auch gar nicht Klon draufstehen. Umgekehrt darf “klonfrei” draufstehen, wenn kein Klon drin ist. Alles klar?

Solche transparenten Lösungen sind in Deutschland auch nicht gerade unbeliebt. Der grünen Gentechnik lässt sich derzeit kein Risiko nachweisen, deshalb muss auf der Packung künftig nicht unbedingt genmanipuliert drauf stehen, wenn genmanipuliert drin ist. Dafür darf sich als “gentechnikfrei” rühmen, was wirklich nicht genmanipuliert ist . Ob Seehofers Mannen mit dem Klonfleisch ähnliches planen?

“Der Vorschlag wird erst auf europäischer Ebene diskutiert und wird bei uns im Hause geprüft”, mehr konnte man dem ministerialen Sprecherapparat nicht entlocken, aber das reicht ja schon für ein kleines Schocker-Szenario. Der Vorschlag soll nämlich ein freier Verkauf von Klonfleisch “beim Metzger um die Ecke” sein. Frankenfood kommt!

Der Staatssekretär indes kann einem leid tun, denn so hat er das ganz sicher nicht gemeint. Zwar gibt es EU-Untersuchungen zur Sicherheit von geklonten Tieren in unserer Lebensmittelproduktion. Aber selbst wenn die Europäer dem amerikanischen Beispiel folgten und die gefürchteten Biotechviecher auf den Markt losließen: Ein Klonsteak würden wohl die wenigsten zwischen die Zähne kriegen. Dass es noch einige Jahre bräuchte, bis sich die zweifelhaften Klonfleischwaren in der Schlachtertheke türmen, ist nämlich eine fabelhafte Untertreibung.

Die Klonerei wird immer aufwändiger bleiben als das Hantieren mit Bullensperma. Man braucht Eizellen, viele Eizellen. Man muss aus den winzigen Eizellen ihren noch winzigeren Kern raussaugen. Dann muss man dasselbe mit einer Zelle des zu klonenden Tiers tun. Den Kern dann in eine leere Eizelle reinfummeln. Warten, ob sich was tut. Tut sich nix, und das ist die Regel, nochmal neu anfangen, solange, bis sich endlich einer der Kandidaten teilt. Man muss das Zellhäufchen in einen Kuh-Unterleib hineinmanövrieren. Wieder warten, dass sich was tut, der Embryo sich einnistet. Wenn nicht: Wieder mit der Eizelle anfangen.

Bis da das gewünschte Klonkalb aus der Kuh flutscht, haben schon viele tausende Rinderkinder auf halbwegs normalem Weg das Licht der Welt erblickt. Sprich: nach künstlicher Besamung. Lustvoll klingt ja beides nicht, aber wenigstens bringt die konventionelle Methode ordentlich Fleisch hervor. Das wird sie auch in Zukunft. Die Klonerei lohnt sich wirklich nur für den Erhalt von Ausnahmetieren. Supermilchkühe. Hochpotenzbullen. Fleischmassenwunder. Und mit denen wird kein Festessen veranstaltet, sondern normale Zucht betrieben.

Das soll gefährlich sein? Das Fleisch vom Klonnachwuchs unterscheidet sich ja in nichts von der jämmerlichen Industrieware, die wir uns schon jetzt in die Pfanne hauen. Viel interessanter wäre da, sich mithilfe der Klonerei mal neue Fleischquellen zu erschließen. Die Chinesen essen zum Beispiel Ratten, die aber ziemlich klein sind für einen vernünftigen Braten, und in westlichen Ländern ohnehin unangenehme Assoziationen hervorrufen. Aber ein Riesennager von einer Tonne, der vor zwei bis vier Millionen Jahren lebte und längst ausgestorben ist? DAS wäre mal ein gescheites Frankenfutter. Eins, für das sich die ganze Aufregung wirklich lohnte.

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