Gehackte Herzen

13. März 2008 · Thema: Leib und Seele, Medien

Bisher waren Herzschrittmacher eine prima Sache für kranke Menschen. Doch seit heute sind sie echt gefährlich – sie ermöglichen den perfekten Mord!

Medizin kann spannend sein, aber meistens dreht sich da eben doch alles um Krankheiten und Gesundheitstipps. Wer wollte sich also eine Nachricht entgehen lassen, die sich zu einem kleinen Mörderkrimi aufblasen lässt? Keiner!

Und so berichten die Kollegen heute allenthalben (natürlich hier, aber auch hier– und sogar hier!) über das, was Forscher von drei US-Universitäten gemacht haben: Sie haben einen modernen Herzschrittmacher über Funk zur Strecke gebracht. Still. Leise. Berührungslos. Hätte das Ding in einem echten Menschen gesteckt, wäre der wohl dran krepiert.

Zum Glück lag das Versuchsobjekt zwischen eine dicke Scheibe Speck und eine ordentliche Portion Rinderhack, als die Forscher angriffen. Der Schrittmacher – eigentlich ein Defibrillator mit eingebauter Schrittmacherfunktion – ließ sich mithilfe eines Oszilloskops und eines softwaregesteuerten Radios übrigens nicht nur ausschalten, sondern auch auslesen: die Informationen über den Patienten und die Programmierung des Geräts waren nicht verschlüsselt.

Das exakte Protokoll der Attacke haben die Wissenschaftler in ihrem Versuchspapier (kann man hier als pdf herunterladen) nun zwar nicht dargelegt, weil sie ihre Arbeit kaum als Einladung für böse Buben missverstanden sehen wollen. Aber die vordergründige Motivation der Forscher war ja auch gar nicht, Sicherheitslücken aufzudecken. Nein, es geht ihnen darum, solche möglichen Lücken zu stopfen, und das mit Techniken, die von den Autoren selbst entwickelt wurden und die sie nun feilbieten. Die erfolgreiche Attacke auf einen Defi im Speckmantel ist da nunmal ein notwendiges Kriterium. Wozu einen Rauchmelder kaufen, wenn’s nie brennen wird?

Eines geht aus dem Papier jedenfalls klar hervor: Wer sich in den Kopf setzt, einen herzkranken Menschen über dessen Defi-Schrittmacher zu beseitigen, braucht viel Know-How (Spezialisten!), ziemlich teure Technik (Fachhandel!) und muss verdammt nah ran ans Objekt (Vertrauen!), bis auf wenige Zentimeter nämlich. Von wegen perfekter Mord! Jeder Tatort-Gucker würde davon abraten – die Täter wären ja gleich mehrspurig zu verfolgen.

Was von der Geschichte übrig bleibt, ist die Angst, die diese Blase nun bei den Patienten schürt. Werde ich ausspioniert, wenn ich einen Herzschrittmacher bekomme? Muss ich um mein Leben fürchten? Ist das Ding in meiner Brust gar nicht sicher? Lauter Fragen, die sich mit einem mehrfachen Nein wohl nicht mehr aus der Welt schaffen lassen.

Aber die Geschichte war wenigstens mal spannend.

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