Ins Blut gepanscht

01. Mai 2008 · Thema: Leib und Seele

Der Skandal um den Blutverdünner Heparin geht weiter: Wurden die tödlichen Verunreinigungen absichtlich hineingemischt?

Mit dieser Frage hat sich jetzt die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA beschäftigt, nachdem man in der vergangenen Woche jene “Verunreinigung” dingfest gemacht hatte, die für das Desaster verantwortlich ist. Allein in den USA haben bislang fast 800 Menschen nach der Injektion des verdreckten Gerinnungshemmers allergische Schocks erlitten, mehr als 80 Patienten starben sogar an diesen Überreaktionen des Immunsystems.

Aber war es wirklich Medikamentenfälschung? Der Verdacht kursiert seit Beginn des Skandals, er hat sich verfestigt, nachdem sich das gesuchte Gift als ein dem echten Heparin verblüffend ähnliches Molekül entpuppte, und noch dazu als eine Substanz, die um den Faktor 100 billiger ist, als der tatsächliche Wirkstoff: Das sogenannte Chondroitinsulfat kostet 9 Dollar je Pfund, Heparin dagegen 900 Dollar je Pfund.

Der absolute Hammer aber ist, dass die “Verunreinigung” eben gar keine Verunreinigung war, sondern dass manche Chargen des Rohmedikaments (es wird aus Schweinedärmen gewonnen) zu einem Drittel aus dem gefährlichen Billigstoff bestanden. Sprich: Ein Pfund von dem Zeug kostet, hoppala, nicht mehr 900, sondern 603 Dollar.

“It does strain one’s credulity to suggest that might have been done accidentally”, kommentierte Janet Woodcock von der der FDA während der Anhörung am Dienstag, wie die New York Times berichtet. Zugleich hieß es aber, dass die “Arbeitshypothese” – dass es sicht also um absichtliche Fälschung handele -  “noch nicht bestätigt” sei.

Dazu nur noch soviel: Das gepanschte Heparin kommt aus China. Die Chinesen indes sollen den Amerikanern nicht nur den Zutritt zu den Fabriken verweigert haben, in denen das Medikament gewonnen wurde. Die chinesischen Offiziellen haben sogar bestritten, dass die Panschmasse – das besagte, anhand wissenschaftlicher Studien als Täter überführte Chondroitinsulfat – überhaupt schuld an den teils tödlichen Allergieschocks ist.

Nun kann man über Opferbilder in den Medien sicher streiten, aber die New York Times ist hier kaum zu weit gegangen – sie zeigt einen Mann, der jüngst noch eine Frau und einen Sohn hatte. Beide waren Nierenkrank und mussten zur Dialyse, beide bekamen dafür routinemäßig Heparin gespritzt. Leider war es das gepanschte. Nach 48 Jahren Ehe ist der Mann nun völlig allein, und wahrscheinlich wird für immer “unbewiesen” bleiben, dass er das alles für eine Ersparnis von ein paar Dollar ertragen muss.

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